Sommerzeit – Reisezeit. Und da entdeckt man oft Dinge, die man gar nicht erwartet hat. Meine Nichten haben mich überredet Anfang Juli nach Fulda zu fahren, um uns dort das Musical „Die Päpstin“ anzuschauen.

Ich gebe es zu, Fulda hat mich als Ort nicht unbedingt gereizt. Auch nicht „Die Päpstin“. Ich war von beidem angenehm überrascht. Das Musical war flott inszeniert, die Besetzung gut. Ich habe den Roman von Donna Cross vor Jahren gelesen. Während der Vorstellung kamen mir immer mehr Details ins Gedächtnis zurück. Für mich ein Zeichen einer guten Umsetzung des Stoffes. Aber darüber wollte ich gar nicht sprechen.

Wenn ich dort schon ins Theater musste, dann mussten meine Nichten auch mit mir ins Museum. Wir haben das Fasanenschlösschen ein wenig außerhalb von Fulda besucht, das Fürstbischöfliche Stadtschloss und das Vonderau-Museum. Und dort habe ich ein wirklich tolles Vermittlungserlebnis gehabt.

Das Vonderau Museum als Stadtmuseum ist grundsätzlich sehr engagiert und zeigt alles von geschichtlicher Entwicklung seit der Steinzeit über Malerei und Skulpturen bis naturkundlicher Themen der Stadt und Umgebung von Fulda. Vor allem in der Naturkunde-Abteilung gibt es sehr viel Hands-on Objekte.

Die Mitarbeiterin an der Kassa hat uns einen guten Überblick über die Ausstellung gegeben und uns auch auf ein Wandbild aus dem Stadtschloss hingewiesen mit der Bemerkung, dass Napoleon selbst uns dieses erklären würde. Darauf war ich gespannt.

Wir kamen dann endlich zu diesem Wandbild, der Darstellung der Schlacht von Austerlitz 1805. 30 Bahnen Papiertapete, 15,47m im Umfang.(1) Eigentlich ein Albtraum, aber auch eine Herausforderung für jede Vermittlungsabteilung. Groß, viele Details, ideologisch gefärbt. Für das Stadtschloss bestellt als Fulda von den französischen Truppen besetzt war, aber anscheinend nie dort angebracht, da zur Zeit der Fertigstellung und Lieferung Napoleon nicht mehr an der Macht war.(1) Das Vonderau-Museum hat eine sehr gute Lösung dafür gefunden.

Gegenüber dem Wandgemälde steht eine Sitzbank und es gibt drei Knöpfe, die man betätigen kann. Und nun kann man ganz entspannt Napoleon lauschen, wie er die Schlacht erlebt hat. Eine männliche Stimme mit französischem Akzent verbindet die Fakten der Schlacht mit der bildlichen Darstellung hier.

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Man erfährt von Napoleon, der die Schlacht überblickt, über die Beteiligten Nationen, die Regimenter, den Verlauf der Schlacht. Ein Spot erhellt dazu die gerade angesprochenen Darstellungen. Somit wird die Struktur des Bildes verstärkt, Augenmerk auf Details gelenkt.

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Die Masse an Soldaten wird zu einzelnen Regimentern, die bis Tief in den Hintergrund verteilt sind. Bündnisse, einzelne Scharmützel, Waffenstillstände werden sichtbar. So wird aus diesem Wandbild eine Erzählung, die die Besucherinnen und Besucher auch heute noch verstehen können.

Stellt man sich diese Tapetenbahnen an den vier Wänden eines Zimmers vor, so befindet man sich im Zentrum eines Panoramas. Versetzen wir uns ins frühe 19. Jahrhundert, war dies ein eindrucksvolles Medium, das den Vergleich mit heutigen Fernsehberichten nicht scheuen muss. Aber ich denke, dem Panorama muss ich hier einmal einen eigenen Eintrag widmen.

 

Die Bildrechte liegen beim Vonderau-Museum, Fulda

(1) Ernst Wolfgang Mick: Austerlitz. 1805. Die außergewöhnlichste aller Tapeten und ein Kunstdokument ersten Ranges. München: Callway 1995, S. 9                                                 (2) Ernst Wolfgang Mick: Austerlitz. 1085, S. 61

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