Zwei Diskussionsrunden in der letzten Woche haben mir gezeigt, wie wichtig das Selbstverständnis von Kulturvermittlerinnen und Kulturvermittlern ist, aber auch die Definition innerhalb der Institution selbst.

Ich selbst bezeichne mich als Kulturvermittlerin, auch wenn in meiner Institution die Vermittlung im Besucherservice integriert ist. Mein Job ist es, die Inhalte der Ausstellungen den Besucherinnen und Besuchern näher zu bringen.

Man wäre verwundert, wenn in einem Museum oder einer Ausstellung nicht zumindest Führungen angeboten werden. Wir Vermittlerinnen und Vermittler stehen damit im direkten Kontakt mit den Besucherinnen und Besuchern und können deren Bedürfnisse meist sehr gut einschätzen. Wir sind das Gesicht des Museums. Im Gegenzug haben wir oft das Gefühl innerhalb der Institution unsichtbar zu sein. Meist sind wir die letzten, die zu einer Ausstellung hinzugezogen werden und müssen dann eigentlich mit einem fertigen Produkt arbeiten.

Vermittlung setzt sehr oft Spezialwissen voraus, das wir uns meist in der Freizeit erarbeiten. Wir arbeiten auch außerhalb der Institution weiter. Das wird zwar oft vorausgesetzt, aber selten gewürdigt. Wir sind Voice-Workers, das heißt, unser wichtigstes Werkzeug ist unsere Stimme, die wir pflegen und trainieren müssen. Und wir sollten natürlich auch immer den Blick über den Tellerrand beibehalten: Was passiert außerhalb meiner Institution, welche Strategien werden bei anderen Vermittlungsprogrammen verwendet?

Kulturvermittlung findet nicht nur durch die klassische Führung statt. Es gibt performative Formate und dann agieren wir als Schauspielerinnen und Schauspieler. Wir erarbeiten Inhalte gemeinsam mit den Besucherinnen und Besuchern in Workshops. Wir sind flexibel in unseren Konzepten und stellen uns ständig auf neue Situationen ein.

Das Berufsbild der Kulturvermittler hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten sehr gewandelt. Wir sind eine Dienstleistung, die genauso wie jede andere Dienstleistung auf Grund der Kundenzufriedenheit bewertet wird. Wir liefern nicht nur Informationen ab, sondern Erlebnisse. Wir setzen uns theoretisch und akademisch mit unserem Beruf auseinander.

Liebe Institutionen! Wir wollen uns nicht in den Vordergrund drängen. Wir wollen als gleichberechtigte Berufsgruppe angesehen werden, die zum Erfolg von Ausstellungen beiträgt. Wir fordern fixe, faire Arbeitsverhältnissen, durch die wir unsere Lebenskosten tragen können und die nicht von Besucherzahlen abhängen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zeigen wir uns selbstbewusst und unseren Wert innerhalb der Institution. Nur wenn wir uns mit einem eigenen Berufsbild definieren, können wir so wahrgenommen werden.

http://www.kulturvermittlerinnen.at/kulturvermittlung/

Werbeanzeigen