Ljubljana und der Drache

Wenn man Ljubljana besucht, kommt man an zwei Dingen nicht vorbei: der Burg und den Drachen.

Den Drachen sind allgegenwärtig. Sie befinden sich im Stadtwappen, in jedem Souvenirgeschäft und natürlich auf der Drachenbrücke.

Die Burg thront hoch über der Stadt und ein Besuch derselben lohnt sich ebenfalls. Der Ausblick vom Turm ist wunderbar, sofern das Wetter mitspielt und in den verschiedenen Gebäuden lernt man einiges über die Geschichte Ljubljanas und Sloweniens.

Und natürlich habe ich das etwas ungewöhliche Vermittlungserlebnis gesucht. Zuviel darf und will ich hier nicht verraten, aber ein bisschen teasern. Auf der Webseite wird ein Escape Room-Erlebnis in der Burg beworben. Es hat aber auch sehr viele Ähnlichkeiten zu einer Mystery Hunt, um die es im letzten Beitrag gegangen ist. Startpunkt ist  bei der Information auf der Burg. Die „Drachenjagd“ kostet 5 Euro pro Person plus 20 Euro Einsatz für die Spielunterlagen. Man braucht kein Extraticket für den Burgbesuch selbst.

Die Damen bei der Information waren sehr nett. Sie haben alles gut erklärt und wir konnten jederzeit mit Fragen zurückkommen. Anhand eines Burgplans suchten wir verschiedene Plätze auf und versuchten die dort gestellten Aufgaben zu lösen. Der  Plan ist sehr gut, trotzdem gibt es ein paar versteckte Winkel, die es zu finden gilt. Wir mussten zweimal zur Information zurück, da wir zwar den gekennzeichneten Ort, aber nicht die Stelle und das Rätsel dazu gefunden hatten. Die Rätsel haben mit der Burg und den Legenden der Stadt zu tun und bilden trotzdem eine eigene Story. Es gibt keine Zeitbeschränkung. Das ist gut, denn es kommt dadurch nicht zu dem Gefühl, gescheitert zu sein und das Spiel endet mit einem positiven Erlebnis. Auch hier waren die Rätsel anspruchsvoll, aber lösbar.

Die letzte Station erinnert wohl am stärksten an einen Escape Room. Die Lösungen der verschiedenen Rätsel helfen, den Raum zu betreten. Auch hier gibt es noch einige Aufgaben zu erfüllen, bevor der Drache befreit ist.

Wir hatten uns die Burg und die Ausstellungen bereits davor angesehen. Durch die „Drachenjagd“ waren wir gezwungen, hier einen neuen Blickwinkel hinzuzufügen. Wir wurden an Orte gelotst, die uns sonst wohl entgangen wären. Und diese Orte haben durch die Rätsel Erweiterungen erlebt.Wir haben – mit einem Zwischenstopp in einem weiteren Ausstellungsteil – eineinhalb Stunden gebraucht. Es sieht so aus, als wäre das die optimale Zeit, die man innerhalb dieser Vermittlungsformate verbringt.

Uns hat es Spass gemacht. Und ja, wir haben den Drachen befreit!

https://www.ljubljanskigrad.si/en/castle-experiences/escape-castle/

Fotos © Renate Pölzl

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Mystery Hunt im KHM

Das Kunsthistorische Museum Wien (KHM) geht mit seinem Clubbing „Kunstschatzi“ und dem „Ganymed“-Projekt bereits ungewöhliche Vermittlungswege. Nun hat sich ein weiterer dazugesellt.

Beim “Kunstschatzi“ am 9. Oktober 2018 wurde nun eine Mystery Hunt, also eine Art Schnitzeljagd, durch die ägyptische und griechisch-römische Sammlung präsentiert. Verantwortlich zeichnet dafür die Firma Mystery Makers aus Dänemark. Ich habe an diesem Abend die Gelegenheit wahrgenommen und diese Schatzsuche ausprobiert.

Die Mystery Hunt kann von vier bis acht Personen gespielt werden. Ich war bereits mit zwei Freundinnen unterwegs, so wurden wir mit 4 weiteren Spielern zu einem Team.

Wir bekamen ein Kuvert, in dem sich weitere Kuverts und Spielanweisungen befanden. Die Kuverts wurden aufgeteilt und wir machten uns im ersten Raum auf die Suche. Denn der Hinweis sollte stets vor einem Objekt stattfinden, das mit dem Symbol auf dem Kuvert übereinstimmte.

Die Anweisungen waren sehr klar, die Hinweise ausreichend. Es gab auch noch Zusatzhinweise, die man bei Bedarf öffnen konnte. Wir brauchten sie nicht wirklich. Das Spiel war zwar anspruchsvoll, aber nicht schwierig. Die Rätsel bewegten sich zwischen Wissensfragen, Suchspielen und Einfühlungsfragen. Es war stets die ganze Gruppe im Spiel gefordert und vieles konnte man nur im Team lösen. Wir lernten schnell als Gruppe zusammenzuarbeiten. Ich fand es nur ein wenig mühsam, die Einfühlungsfragen in unserer zusammengewürfelten Gruppe abzuarbeiten. Aber auch das schafften wir. Mit der Lösung der Rätsel erhielten wir Symbole, deren Kombination wir auf einer Drehscheibe überprüfen und markieren sollten. Diese Symbolpaare halfen am Ende wiederum das letzte Rätsel zu lösen.

Wir bewegten uns eineinhalb Stunden lang gemeinsam durch die Sammlungen, entdeckten Objekte und Details, die uns sonst wahrscheinlich verborgen geblieben wären oder denen wir nur wenig Beachtung geschenkt hätten. Wir lernten im Team zu arbeiten und auch ein wenig das Gegenüber einzuschätzen. Insgesamt haben wir den Spielort mit einem guten Gefühl verlassen.

Mystery Hunt ist ein guter Weg sich wieder mehr den Details im Museum zu widmen und sich auch selbst in Beziehung mit den Objekten und Stories zu setzen. Und es ist ein interessanter und kurzweiliger Weg, das in einer Gruppe zu tun.

Ich wünsche mir mehr davon!

https://mystery.at/about-mystery-hunt/khm/

Going back to where it all started

Sometimes life has twisted ways. You never know where you will end. I studied at the University of Vienna Theatre, Film and Media Theory. My master thesis was called „Kaiserin Elisabeth und ihre Darstellung auf Bühne und Leinwand“ (Depicting Empress Elisabeth on Stage and on Screen) http://othes.univie.ac.at/2413/1/2008-10-24_9002290.pdf

In the meanwhile, I went on. I’m still dealing with Empress Elisabeth in my daily business but my focus is on exhibitions and museums right now.  Anyway, I’ve read a post on facebook that there will be a symposium on Austrian film. I applied with a paper about the Sissi-trilogy by Ernst Marischka, one of the aspects of my thesis. I am still deeply immerged into this topic as I am talking about these films on a tour in Hofmobiliendepot (Funiture Museum Vienna).

Annie Ring and Frederick Baker chose my paper for „Picturing Austrian Cinema“ and now I had an inspiring weekend in Cambridge. The symposium took place in Queen’s College and was attended by academics and film fanatics from Britain, North America, Germany and Austria.

We were asked just to choose one single still from the film we wanted to talk about. A hard decision as I learnt.  Which still charaterizes the whole film? Do you choose one you can talk generally about or about something special you see just there? As we were shown in the paper of Michael Loebenstein (Director of Österreichisches Filmmuseum/Austrian Film Museum) one image can tell something completely different from the next one.

There were a lot of talks about comtemporary Austrian film makers such as Ruth Beckermann, Ulrich Seidl and of course Michael Hanake who was special guest to this symposium with a screening of „Happy End“ (2017) and Q&A with him afterwards.

But to return to my roots. Heidi Schlipphacke from University of Illinois at Chicago and me were talking about „Sissi“ by Ernst Marischka. It was great to discuss about these films with her and with the delegates. Surprisingly, we both had chosen a still from the second and the third part and none of the first one. I’m still questioning myself, why? Are the two sequels more politically? Do they depict Austria in a more appropriate manner though many scenes are set in Hungary and Italy?

Well, there are still a lot of question to investigate. Seems, I will further deal with this topic.

Feel free to read my paper.

The “Sissi”-Trilogy (1955-1957) by Ernst Marischka – An Austrian Fairytale

If you grew up in Austria, you do not imagine a fairytale princess as one from the tales of the Brothers Grimm or by Walt Disney. You compare her to Empress Elisabeth, the wife of Emperor Franz Joseph I., depicted by Franz Xaver Winterhalter or to “Sissi”, the image Ernst Marischka created in his films in the mid 1950s.

The history itself sounds like a fairytale. Elisabeth also known by her nickname Sisi, the daughter of a Duke in Bavaria, a duke with few duties and no influence at the Court of Bavaria is chosen to be his wife by her cousin, the Emperor Franz Joseph of Austria, instead of her elder sister Helene. Little prepared and only 16 years old, she becomes the most important Lady in central Europe. As a quick summary, let me tell you that she did not have a happy ever after and was already typecast to be an ephemeral person in her lifetime. But at least after the collapse of the Austrian-Hungarian Empire in 1918 she became famous in literature and was soon depicted in films as well.

And even Ernst Marischka met this figure before WWII. There was a play, a comedy written by Ernst Decsey and Gustav Holm “Sissys Brautfahrt” (You could translate the title as “Sissy’s Wooing Journey”). Nothing historical except the facts that Elisabeth and Franz Joseph met for the first time in Ischl, a small country town near Salzburg and that the betrothal took place there. This comedy is written in the style of an operetta, which is not surprising as both writers are responsible for a lot of operetta libretti. Ernst Marischka and his brother Hubert who owned the “Theater an der Wien” – one of the private theatres in Vienna – saw the potential for an operetta and amended the play. They asked a famous violin-player and composer, Fritz Kreisler, to adapt some of his famous numbers.  It was simply called “Sissy” with two “ss” in the middle and a “y” at the end and premiered shortly before Christmas, with the 24th of December being also the birthday of Empress Elisabeth. It was a real success, one of the last of the era of operettas before WWII.

Rumour has it or at least his nephew Franz wrote in his memoirs that at a family gathering Ernst Marischka was thinking of making another film about Empress Elisabeth. And everybody said: “No, you can’t do this. Nobody needs these old stories about Emperor Franz Joseph. No-one wants to see this sort of film anymore.” But he did it anyway. In the early 1950s Ernst Marischka had met the very young Romy, the daughter of the German actress Magda Schneider. Marischka tried and tested Romy along with her mother already in two films with a royal touch: “Die Deutschmeister” (1955) a film about a royal regiment and a first attempt as a royal princess with “Mädchenjahre einer Königin” (“Victoria in Dover”, 1954) as the very young Queen Victoria. Romy was the perfect fit for the role of Sissi. In all the previous productions showing Elisabeth – even as the young Empress – she was played by a lady, not a young girl. The films of Marischka depicted the perfect image of girls in the mid 1950s. A girl, who knows what she wants, you can fall in love with and will fit into her role as wife and inside the family.  Even the private person Romy Schneider was stylized into that perfect coming-of-age girl so deeply connected with Sissi that she could never get rid of to the link of that role. This weekend Romy Schneider would have celebrated her 80th anniversary. Guess which films are shown on tv on this occasion.

“Sissi”, now with an “I” at the end premiered again shortly before Christmas 1955. And it was a big success again, not only in Austria and Germany but also around the world. Until 1957, Marischka produced two sequels. In many countries all three parts are still broadcast every year around Christmas.

What was the secret of their success? These films fit into several genres.

Marischka continued to use the style of operettas. Though nobody has an aria, the music is very important. It transports a lot of the emotions in these films. The love story between the protagonists in an operetta can only be solved if they are socially equally. Franz Joseph can be true with his feelings only as soon as he recognizes Sissi as his cousin and a princess in Bavaria. He might have fallen in love with Lisl of Possenhofen but had to relinquish that idea in the interest of the state. And the dramaturgy of an operetta demands a funny person. Here it is Oberst Böckl, a clumsy police officer who tries so hard to get everything right that he has to fail. But also he gets his reward, he becomes the personal guard to Sissi.

“Sissi” is also a “Heimatfilm”. These films deal with the tension between the city connected with business, hustle and illnesses and the countryside, where you can relax and recover.  Here it is Court life versus a liberal lifestyle. Franz Joseph represents the Court with all the ceremonies, restrictions and business. Sissi with her rural background helps to heal the monarchy. In this still she rescues the situation. She asks Count Andrassy, a Hungarian returning from exile, for a dance against court ceremonies after Sophie, the Emporer’s mother has offended him.

Sissi and Franz Joseph can only enjoy their relationsship when they are away from Court. Marischka shows a lot of the most beautiful areas of Austria not affected by war in these films making them a “Tourist film” as well.

And they are “Habsburg films” of course, a special Austrian genre already created in the 1930s. They are set in a timeless monarchy. The historical persons are concerned by personal problems and not by politics.

“Sissi” brought the film-goers back to a time-gone-by, a world of glamour and splendour. A world where politics do not matter. There are conflicts of course, but they seem to be private ones. They are solved by the charms of Sissi. Mostly, it is a struggle between her role as an Empress and as a private person. In this scene, she already has a personal bond to Andrassy. She had invited him to this ball. Therefore, she is offended by her mother-in-law, too. As you can see with this still, Sissi is at the centre of action. She is the moving one, physically and emotionally. In all three parts she is roaming around, she goes to Ischl to meet her prince charming, she goes to Hungary to be Queen. She goes to Italy to break the ice with the people there. And she only does so by showing her feelings as a private person and as a mother. Conflicts are emotional ones affecting her. Often it seems, she is only rewarded if she surrenders her personal wishes.

Georg Seeßlen once said: ”You do not watch or read a movie, you believe it. And you know it is a bad one if you don’t believe it.”

Ernst Marischka constructed a world you could believe in, showing a perfect Austria far away from politics and war. In one review he was once called “The great magician and charmer”. You still believe his worlds. Mostly because he used elements the spectators were familiar with. As an Austrian you know more or less the romantic love story of Sissi and Franz Joseph. If not, you can read a simple fairytale story in these films. There are some famous portraits of Empress Elisabeth which you connect immediately with her. The most famous one is the one by Franz Xaver Winterhalter painted in 1865 showing her in a white tulle robe with silver embroideries and her well-known hairstyle: braids worn like a crown with diamond stars in her hair. It is not a typical state portrait. She looks like a fairy and seems to vanish any moment. In every film you get reminded of this portrait, even here in this still. In this trilogy Romy Schneider has several dresses in this style but she always wears them when you see her in the function of the Empress.

You could visit the Imperial Appartements of Franz Joseph and Elisabeth in Hofburg and Schönbrunn Palace from as early as 1919. Marischka did not shoot his films inside them. He created his imperial world in the studios. He only showed the exterior of the buildings to localise the scenes. But nevertheless, he used imperial furniture. His world was even better than the reality. He could rent everything he needed from Bundesmobilienverwaltung, a department of the government housing remaining furniture and objects of the monarchy. The Republic of Austria did not only fund these movies, it also earned money from them.

And Austria and especially Vienna still benefits from these films by Marischka. As Tessa Bridal said: „As components of the cultural landscape, theatres and museums alike – I add films as well – play a role in creating and enacting place-based identity. No wonder then, that so many cities in the world have turned to them in order to sell their brand, both at home and abroad.”

Marischka did not only create a brand with these films. He created a “lieu de mémoire” as Pierre Nora calls it. “Sissi” is part of the national memory and it constructed a new image of the Republic. These films show Austria according to the State Treaty which was signed in Mai 1955. An independend country which tries to mediate between different nations. The Sissi-trilogy still presents a cultural image of Austria.

And there was no need to create a “Sissi”-Land. It is still present. You can feel the imperial atmosphere when you take part in one of the many balls in the Hofburg or you visit the Imperial Appartements in Hofburg and Schönbrunn Palace themselves looking for the real history. As I stated in my doctoral thesis at least the Sisi Museum as part of the exhibitons in Hofburg is influenced by the films. Elisabeth is shown on some walls like you would see her on a big screen. Of course, you find all the portraits and depictions Ernst Marischka uses in his trilogy. And if you cannot find the connection between the history and the films at this place you can visit Hofmobiliendepot – Furniture Collection Vienna. A tour shows scenes of the trilogy on small screens along the display of the furniture used. At least history and film blend into each other again.

 

Photo credit: „Sissi – Die junge Kaiserin“ (1956), Jupiter Film

 

Fulda und die Schlacht von Austerlitz

Sommerzeit – Reisezeit. Und da entdeckt man oft Dinge, die man gar nicht erwartet hat. Meine Nichten haben mich überredet Anfang Juli nach Fulda zu fahren, um uns dort das Musical „Die Päpstin“ anzuschauen.

Ich gebe es zu, Fulda hat mich als Ort nicht unbedingt gereizt. Auch nicht „Die Päpstin“. Ich war von beidem angenehm überrascht. Das Musical war flott inszeniert, die Besetzung gut. Ich habe den Roman von Donna Cross vor Jahren gelesen. Während der Vorstellung kamen mir immer mehr Details ins Gedächtnis zurück. Für mich ein Zeichen einer guten Umsetzung des Stoffes. Aber darüber wollte ich gar nicht sprechen.

Wenn ich dort schon ins Theater musste, dann mussten meine Nichten auch mit mir ins Museum. Wir haben das Fasanenschlösschen ein wenig außerhalb von Fulda besucht, das Fürstbischöfliche Stadtschloss und das Vonderau-Museum. Und dort habe ich ein wirklich tolles Vermittlungserlebnis gehabt.

Das Vonderau Museum als Stadtmuseum ist grundsätzlich sehr engagiert und zeigt alles von geschichtlicher Entwicklung seit der Steinzeit über Malerei und Skulpturen bis naturkundlicher Themen der Stadt und Umgebung von Fulda. Vor allem in der Naturkunde-Abteilung gibt es sehr viel Hands-on Objekte.

Die Mitarbeiterin an der Kassa hat uns einen guten Überblick über die Ausstellung gegeben und uns auch auf ein Wandbild aus dem Stadtschloss hingewiesen mit der Bemerkung, dass Napoleon selbst uns dieses erklären würde. Darauf war ich gespannt.

Wir kamen dann endlich zu diesem Wandbild, der Darstellung der Schlacht von Austerlitz 1805. 30 Bahnen Papiertapete, 15,47m im Umfang.(1) Eigentlich ein Albtraum, aber auch eine Herausforderung für jede Vermittlungsabteilung. Groß, viele Details, ideologisch gefärbt. Für das Stadtschloss bestellt als Fulda von den französischen Truppen besetzt war, aber anscheinend nie dort angebracht, da zur Zeit der Fertigstellung und Lieferung Napoleon nicht mehr an der Macht war.(1) Das Vonderau-Museum hat eine sehr gute Lösung dafür gefunden.

Gegenüber dem Wandgemälde steht eine Sitzbank und es gibt drei Knöpfe, die man betätigen kann. Und nun kann man ganz entspannt Napoleon lauschen, wie er die Schlacht erlebt hat. Eine männliche Stimme mit französischem Akzent verbindet die Fakten der Schlacht mit der bildlichen Darstellung hier.

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Man erfährt von Napoleon, der die Schlacht überblickt, über die Beteiligten Nationen, die Regimenter, den Verlauf der Schlacht. Ein Spot erhellt dazu die gerade angesprochenen Darstellungen. Somit wird die Struktur des Bildes verstärkt, Augenmerk auf Details gelenkt.

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Die Masse an Soldaten wird zu einzelnen Regimentern, die bis Tief in den Hintergrund verteilt sind. Bündnisse, einzelne Scharmützel, Waffenstillstände werden sichtbar. So wird aus diesem Wandbild eine Erzählung, die die Besucherinnen und Besucher auch heute noch verstehen können.

Stellt man sich diese Tapetenbahnen an den vier Wänden eines Zimmers vor, so befindet man sich im Zentrum eines Panoramas. Versetzen wir uns ins frühe 19. Jahrhundert, war dies ein eindrucksvolles Medium, das den Vergleich mit heutigen Fernsehberichten nicht scheuen muss. Aber ich denke, dem Panorama muss ich hier einmal einen eigenen Eintrag widmen.

 

Die Bildrechte liegen beim Vonderau-Museum, Fulda

(1) Ernst Wolfgang Mick: Austerlitz. 1805. Die außergewöhnlichste aller Tapeten und ein Kunstdokument ersten Ranges. München: Callway 1995, S. 9                                                 (2) Ernst Wolfgang Mick: Austerlitz. 1085, S. 61

„Ganymed nature“

Zu einem der letzten Termine habe ich es nun doch endlich zu „Ganymed“ ins KHM geschafft. Ein interessantes Konzept, das nun schon mit „Ganymed nature“ seine fünfte Auflage erlebt hat.

Worum geht es in „Ganymed“? Es ist eine Erweiterung der Kunstwerke durch performative Aktionen. Texte, Musik, Performances lassen sich von den Bildern inspirieren und bekommen so einen neuen Handlungsraum. Ist es damit Vermittlungsprogramm oder eine eigenständige Kunstform?

„Ganymed“ ist von beidem ein wenig. Es kommt immer auf die Auseinandersetzung an den einzelnen Stationen an. Das Kunstwerk beginnt schon in der Eingangshalle. Während sich das Publikum versammelt, bewegen sich die Darstellerinnen und Darsteller die Stiege herab und finden sich zu immer neuen Konstellationen zusammen. Ständig werden neue Bilder kreiert. Wenn die Beteiligten sich wieder hinaufbewegen und den Besucherinnen und Besuchern zuwinken, ihnen zu folgen, beginnt der Abend.

Bei „Ganymed nature“ gab es einen stark vermittlerischen Text von Eva Menasse zu Peter Paul Rubens „Venusfest“, herrlich vorgetragen von Katharina Stemberger. Ich wünschte, Kunstvermittlung würde sich öfter so einer direkten Erklärung von Bildern bedienen. Als vermittlerische Aktion betrachte ich auch die Geräuschkulisse von Karlheinz Essl „Some Way Up“ zu einer „Gewitterlandschaft“ ebenfalls von Rubens. Seine Komposition eines Gewitters machte die Atmosphäre des Bildes physisch spürbar. Ebenso lieferte „Der Flirt“ zwischen Tizians „Nymphe und Schäfer“ von Franz Schuh Erläuterungen zum Bild selbst.

Es gab Szenen, die sich an die Bilder anlehnten. Ein von David Oberkogler wunderbar gespielter Monolog von Milena Michiko Flašar erzählte vor der „Waldlandschaft“ von Gillis van Coninxloo einen Menschen, der sich in den Urwald der menschlichen Beziehungen begibt, bereits wenn er nur die Blumen der Nachbarin während ihres Urlaubes gießt. In diese Kategorie fällt auch die Auseinandersetzung mit unseren tierischen Nahrungsmitteln und deren Grausamkeiten von David Forster Wallace. Oder die himmlischen Chöre, die eine Besucherin wörtlich tragen und schweben lassen. Beeindruckend auch der Bericht der Flucht von Rania Mustafa Ali und ihre Momente der Ruhe dabei.

Bei manchen Performances fehlte mir der Zusammenhang mit dem Bild, wie bei Vivien Löschners „In vitro“ oder „The Last Rose of Summer“. Und auch manchmal der mit der Natur, unter deren Motto diese Aufführungsserie stand.

Gelungen fand ich den Beitrag von den Strottern, die auf der Klimt-Brücke das Publikum einfach nur aufforderten, zu schauen.

„Ganymed“ als ganzes zu erleben, ist beinahe unmöglich. Die ersten zwei, drei Stationen sind gut aufeinander abgestimmt und der Wechsel funktioniert gut. In weiterer Folge ist aber die nächste Performance bereits am Laufen, wenn man bei der Station ankommt. Die Stationen waren einige Male auch ungünstig gewählt, sodass sich die Geräuschkulisse manchmal durchdrang. Daraus können sich gute Spannungen ergeben. Ich fand sie eigentlich störend. Man darf sich keine Pause gönnen. Ich habe fast alle Stationen komplett gesehen. Bei drei Stationen bin ich etwas später eingestiegen, das schmälert den Genuss des Abends und vielleicht auch das Verständnis.

Als Vermittlerin frage ich mich natürlich, wen diese Formate ansprechen. Sie laufen ja meist unter der Prämisse, das Museum für ein neues Publikum zu öffnen. „Ganymed“ wendet sich an das lokale Publikum. Es schafft einen Anreiz für diese, das  Kunsthistorischen Museum  abseits der Touristenströme zu erleben und die Kunstwerke aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel zu betrachten. Besucherinnen und Besucher, die nur wenig Affinität zu bildender Kunst haben und sich hier einen leichteren Zugang erwarten, werden aber Großteils enttäuscht sein. Der Komplexität von Bildern einen genauso komplexen Text entgegenzusetzen baut keine Schranken ab.

Dieser Blog stellt sich auch die Frage, ob „Ganymed“ Museumstheater ist. Wenn die Besucherin oder der Besucher unter Theater nicht nur die klassisch-westliche Form versteht, muss diese Frage mit ja beantwortet werden. Es sind Performances, die einem dramaturgischen Konzept folgen. Es ist ein Stationentheater, dessen Abfolge sich das Publikum selbst aussuchen kann.

„Ganymed“ wird hoffentlich im nächsten Jahr eine Fortsetzung finden. Ich bin schon gespannt.

 

 

Berufsbild Kulturvermittlung

Zwei Diskussionsrunden in der letzten Woche haben mir gezeigt, wie wichtig das Selbstverständnis von Kulturvermittlerinnen und Kulturvermittlern ist, aber auch die Definition innerhalb der Institution selbst.

Ich selbst bezeichne mich als Kulturvermittlerin, auch wenn in meiner Institution die Vermittlung im Besucherservice integriert ist. Mein Job ist es, die Inhalte der Ausstellungen den Besucherinnen und Besuchern näher zu bringen.

Man wäre verwundert, wenn in einem Museum oder einer Ausstellung nicht zumindest Führungen angeboten werden. Wir Vermittlerinnen und Vermittler stehen damit im direkten Kontakt mit den Besucherinnen und Besuchern und können deren Bedürfnisse meist sehr gut einschätzen. Wir sind das Gesicht des Museums. Im Gegenzug haben wir oft das Gefühl innerhalb der Institution unsichtbar zu sein. Meist sind wir die letzten, die zu einer Ausstellung hinzugezogen werden und müssen dann eigentlich mit einem fertigen Produkt arbeiten.

Vermittlung setzt sehr oft Spezialwissen voraus, das wir uns meist in der Freizeit erarbeiten. Wir arbeiten auch außerhalb der Institution weiter. Das wird zwar oft vorausgesetzt, aber selten gewürdigt. Wir sind Voice-Workers, das heißt, unser wichtigstes Werkzeug ist unsere Stimme, die wir pflegen und trainieren müssen. Und wir sollten natürlich auch immer den Blick über den Tellerrand beibehalten: Was passiert außerhalb meiner Institution, welche Strategien werden bei anderen Vermittlungsprogrammen verwendet?

Kulturvermittlung findet nicht nur durch die klassische Führung statt. Es gibt performative Formate und dann agieren wir als Schauspielerinnen und Schauspieler. Wir erarbeiten Inhalte gemeinsam mit den Besucherinnen und Besuchern in Workshops. Wir sind flexibel in unseren Konzepten und stellen uns ständig auf neue Situationen ein.

Das Berufsbild der Kulturvermittler hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten sehr gewandelt. Wir sind eine Dienstleistung, die genauso wie jede andere Dienstleistung auf Grund der Kundenzufriedenheit bewertet wird. Wir liefern nicht nur Informationen ab, sondern Erlebnisse. Wir setzen uns theoretisch und akademisch mit unserem Beruf auseinander.

Liebe Institutionen! Wir wollen uns nicht in den Vordergrund drängen. Wir wollen als gleichberechtigte Berufsgruppe angesehen werden, die zum Erfolg von Ausstellungen beiträgt. Wir fordern fixe, faire Arbeitsverhältnissen, durch die wir unsere Lebenskosten tragen können und die nicht von Besucherzahlen abhängen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zeigen wir uns selbstbewusst und unseren Wert innerhalb der Institution. Nur wenn wir uns mit einem eigenen Berufsbild definieren, können wir so wahrgenommen werden.

http://www.kulturvermittlerinnen.at/kulturvermittlung/

Erster Blogbeitrag/First Entry

 

Eigentlich wollte ich ja nicht unter die Blogschreiber gehen. Aber dann gehen einem so viele Gedanken durch den Kopf, die eine Plattform brauchen. Oder es gibt ein Erlebnis, dass so beeindruckt, dass frau doch beschließt darüber zu schreiben.

Ok, mir gehen sehr viele Gedanken durch den Kopf. Nach einer Dissertation bleiben immer genug Fragen offen, die eigentlich noch beantwortet werden wollen. Und da hilft es auch nicht, noch eine Masterthese anzuschließen. Titel kann frau ja schließlich nie genug haben.

Und dann habe ich es letzten Sonntag doch noch geschafft, mir „Bosch on Stage“ im Theatermuseum anzusehen. Das war einer jener Momente, wo frau nur noch das Wow-Gefühl überkommt. Und da habe ich beschlossen, einen Blog zu eröffnen.

„Bosch on Stage“ ist ein Museumstheaterstück. Museumstheater? Was hat das Museum mit Theater zu tun und was ist Museumstheater?

Wahrscheinlich mehr als man/frau denkt. Das Museum bedient sich Strategien, die aus dem Theaterbereich kommen, um Themen darzustellen. Naja, und das Theater bringt Geschichte auf die Bühne.

Was kann aber jetzt Museumstheater? Lust auf die Objekte machen, Erklärungen bringen, neue Fragen aufwerfen.

„Bosch on Stage“ war ein Paradebeispiel dafür: Der Bosch-Altar ist momentan im Theatermuseum in Wien als Ausweichquatier für die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste ausgestellt. Dafür hat der Jérôme Junod mit Sal5n ein Theaterstück entwickelt. Im Eroica-Saal gibt es ein Theatersetting, also kleine Bühne und ein paar Sitzreihen.

Die erste Szene zeigt Besucher vor dem Bosch-Altar, die sich über die Darstellungen wundern. Danach beginnt die eigentliche Handlung. Eine Jungakademikerin ist auf dem Weg nach Wien für eine Konferenz zum Bosch-Altar, doch der Flug wird gecancelt und sie sitzt am Flughafen fest. Sie beginnt sich mit der Bedienung eines Kiosks zu unterhalten, trifft auf Menschen, die nicht sind, was sie scheinen. Schlussendlich sagt sie die Teilnahme an der Konferenz ab, die sie eigentlich mitorganisiert hat.

In Wien laufen die letzten Vorbereitungen für die Konferenz. Internationale Teilnehmer sind anwesend. Es beginnen hitzige Diskussionen über den Inhalt der Darstellungen am Altar, die Motivation des Malers, wissenschaftliche Untersuchungen.

Die Jungakademikerin hat sich währenddessen auf eine andere Reise begeben, sie reist in die Vergangenheit, um den Hieronymus Bosch selbst zu treffen. Auch hier begegnet sie vielen Personen: der Haushälterin der Familie, der Frau des Meisters, der Tochter der beiden, einem Schüler, der den Meister samt Unterschrift kopiert, einen adeligen Auftraggeber. Sie versucht Antworten zu bekommen, bekommt aber auch sehr viele neue Fragen.

In diesem Stück sind wahnsinnig viele Informationen enthalten, die zum besseren Verständnis des Bosch-Altares führen. Durch die Theaterform sind sie aber auf unterhaltsame Art verfügbar. Manche Information, die sonst in einem trockenen, wissenschaftlichen Kontext auffindbar ist, entlockt hier ein Lächeln. Fragen, die von der Wissenschaft nicht beantwortet werden können, werden durch neue Blickwinkel verständlicher.

Museumstheater macht Lust auf mehr. Hätte ich alle diese Informationen bei einer klassischen Führung vor dem Altar bekommen, wäre ich sehr bald müde geworden und nicht mehr aufnahmefähig gewesen. Durch das Stück war der Altar ständig vor meinen Augen, auch wenn er sich in dem gegenüberliegenden Saal befunden hat und ich war danach noch immer energetisiert und werde mir den Bosch-Altar sicher noch einmal anschauen.

I never intended to write a blog. But sometimes, there are so many ideas in your head which need to be written down. Or there is an event that impresses you so much that you must write about it.

Well, there are a lot of ideas in my head. After finishing a PhD-thesis, you still ask yourself questions longing for an answer. And it does not help that you are going to write another thesis. Gather as many academic degrees as possible!And then, I finally managed to watch ‘Bosch on Stage’ at the Theatre Museum in Vienna. This was one of those rare overwhelming moments. And now, I’ve decide to start my blog.
‘Bosch on Stage’ is a museum theatre show. Well, museum theatre is a fairly unknown term in German right now. What connects museum and theatre, and what is museum theatre about?

Maybe more than you expect. The Museum uses strategies originating from theatre to present ideas. On the other hand, theatre brings history to life on stage.
What is the idea of museum theatre? To enjoy objects, to explain, to ask new questions.
‘Bosch on Stage’ was a good example of it: The Bosch Altar is on display at the Theatre Museum in Vienna at the moment as the gallery at the Academy of Arts is undergoing reconstruction works. Jérôme Junod and the team of Sal5n developed a play connected to this altar. There is a theatre setting in the Eroica Hall in the Theatre Museum which only has a few sitting rows.

The show opens with people gathering around this altar and commenting on what they see. They see people doing weird things. It is neither hell nor heaven, but neither everyday life. And now the story begins. A PhD-candidate is on her way back to Vienna to take part in a conference about this altar but her flight has been cancelled and she is struck at the airport. She starts to have a chat with a waitress at a booth who offered her coffee and a schnapps or two. This young academic meets people who are not what they appear. Finally, she cancels her attendance at this conference she actually helped to organize.

In Vienna, the last preparations for this international conference are taking place. There are heated discussions about the depictions on the altar, about its painter and scientific examinations of the altar.

The PhD-candidate has chosen a different journey. She went back in history to meet the painter himself. Even here, she encounters a lot of different people: the housekeeper, the painter’s wife, their daughter, a principal, a scholar of the painter who does copies of his master’s work and even his signature. She tries to get answers but she is asked many questions herself.

This show contains a lot of information that help you to understand the paintings and the concept of this altar. The use of theatre brings the information across in an entertaining way. You can smile at some of the information you would have found hard to follow in a scientific context. Questions which cannot be answered by specialists can be seen through different eyes, which might help you to arrive at an understanding.

Museum theatre wants you to know more. If I had joined an expert’s tour in front of the altar, I am sure, I would have got tired quite soon. Throughout the show, the alter was always in front of me, though it was standing in a hall behind me. Afterwards, I was still energised and I definitely will go and have a new way of looking at the paintings of this altar.